mit weitem abstand

Beiträge (Auswahl)

Stimmungen. Russland im März 2022

Wir sitzen in Kasan, der Hauptstadt von Tatarstan, 2.329 Kilometer Luftlinie östlich von Berlin. Ich kenne das Land seit über 30 Jahren. Doch im Latte-Macchiato-Ambiente der Coffeeshop Company in Kasan fällt es mir wie Schuppen von den Augen: die Kluft aus Misstrauen und Missverstehen, die Russland und den Westen über Generationen hinweg trennt und trennen wird. Als fühlten wir aneinander vorbei. Vielleicht muss es so sein, wenn die Welt sich wandelt. Wenn man obendrein zwischen den Welten wandelt. Ich kann beiden Seiten ihr Advocatus diaboli sein.

CATO 2/2022

In aller Erbärmlichkeit und Größe

Wie gnadenlos der russische Filmemacher Nikita Michalkow seine kollektive Mentalität einer Autopsie unterzieht, sie häutet und filetiert, das hat Fassbinder-Niveau. Bei allem Kitsch, den er verbrochen hat, bei allem unsäglich-patriotischem Überschwang – in seinen besten Regiestunden vereint ihn eine seltene Fähigkeit mit dem deutschen Kollegen: das Nacktmachen der Kreatur. Russischer Mensch, deutscher Mensch, das ist ohne Belang. Ecce homo. Homo sapiens in all seiner Erbärmlichkeit und Größe.

CATO 1/2022

Der Dämon

Was fällt uns zu Wladimir W. Putin ein? Dass er kein Demokrat ist. Dass er Russland vom Kopf auf die Füße gestellt hat. Dass er autoritär regiert und für Giftmorde und Mordanschläge verantwortlich gemacht wird. Es ist nicht viel, was wir von ihm wissen, und das Wenige wird durch eine verzerrende mediale Optik präsentiert. Und wirklich, er bietet sich an, ihn zu dämonisieren.

CATO 6/2021

Noch ist Polen nicht verloren

Dreißig Jahre nach Ende des Kommunismus ist Ostmitteleuropa auf der Suche. Eine geeinte Region zwischen Ostsee und Schwarzmeer war ein polnischer Traum der Zwischenkriegszeit. Läßt sich ihm neues Leben einhauchen? Russland bleibt als gefühlte Bedrohung präsent. Zugleich ist die Entfremdung Polens vom Westen des Kontinents in vollem Gange.

CATO 2/2019

Der Kontinent vor seinem Krisenjahrhundert

Europa kennt keine Nationen mehr, Europa kennt nur noch Menschen. Es ist aber längst nicht mehr der Nabel der Welt. Klimawandel, der Aufstieg neuer Mächte, Massenmigration, No-go-Areas in unseren Städten … Zuletzt stand Europas Schicksal 1683 auf Messers Schneide, als die Türken Wien belagerten. Auf uns, auf unsere Kinder und Enkel kommen Bedrohungen zu, die wir nicht mehr gewohnt sind: „Wir werden noch Anlaß haben zu beten.“

CATO 1/2019

Die Jagd im Umbruch

Ob Adel oder Bürgertum – in der Jagd ist der Urmensch bis heute gegenwärtig. Als Form der politischen Repräsentation hat die Jagd seit 1989 nahezu unbemerkt ausgedient; überflüssig ist sie deshalb aber nicht geworden. Solange der Mensch existiert, muß er die Wildbestände regulieren. Die Jagd passt sich an, aber sie hört nie auf. Skandalös finden das nur diejenigen, die die menschliche Natur dekonstruieren, die tierische aber sich selbst überlassen wollen.

CATO 5/2018

Europa lockt nicht mehr

Auch ein Jahrhundert nach dem Zarenmord ringt man in Moskau noch immer mit der Rekonstruktion der Geschichte. Der europäische Vektor, bestimmend seit den Tagen Zar Peters I., ist kraftlos geworden. Nach einhundert Jahren westlich inspirierter Modernisierung hat sich in Russland und der Türkei die autoritäre Demokratie bis auf weiteres als zeitgemäße Herrschaftsform durchgesetzt.
Was bedeutet das für Europa?

CATO 4/2018

Der Maler und Autor Haralampi Oroschakoff

Als einen „orthodoxen Künstler und unorthodoxen Historiker“ bezeichnet ihn Martin Mosebach. Haralampi Oroschakoff, geboren 1955 in Sofia, entstammt der emigrierten russischen Adelsfamilie Haralamow-Oreschak und hat das Doppelkreuz in die westliche Malerei eingeführt. Auf seine orthodoxe Herkunft besinnt er sich in den achtziger Jahren. Und er stellt die Frage nach der Identität. Lange Zeit wird er ausgelacht, denn das Thema gilt als veraltet. 1989 kommt die Wende. Die Geschichte gibt Oroschakoff recht, aber sie belohnt ihn nicht.

CATO 3/2018

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