mit weitem abstand

Freiheit statt Demokratie

„Russland ist ein Ärgernis“ –  zu diesem Schluss kam man im Westen schon 2014, dem Erscheinungsjahr von „Freiheit statt Demokratie. Russlands Weg und die Illusionen des Westens“. Inzwischen schreiben wir 2022, und Russland ist endgültig zum Feindbild geworden.

Eindrucksvoll schildert der Autor, wie anders Russland in der Tat ist. In dreizehn Kapiteln erzählt er vom Alltag der Russen und von ihrer dramatischen Geschichte. Er beschwört die Urtümlichkeit des riesigen Landes zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Arktis und Kaukasus, und er vermittelt intime Einblicke in die schicksalsgeprüfte Mentalität seiner Bewohner.

Das Buch entstand wesentlich bereits in den Jahren um 2010. Schon damals lautete das Fazit: Russland wird den Weg des Westens nicht gehen. Und das nicht wegen des einen Mannes im Kreml. Der russische Mensch hat sein eigenes Verständnis von Freiheit, und das verträgt sich nicht mit der europäischen Wertschätzung für Vernunft-, Regel- und Gesetzestreue.

Von allen Herausforderungen, die der Westeuropäer in der Begegnung mit Russland zu bewältigen hat, gehört diese zu den schwierigsten: der so ganz andere Freiheitsbegriff, der nur in einem Land mit ähnlich riesigen Räumen, ähnlich unerschöpflichen Ressourcen, strukturell autoritär und latent diktatorisch, überhaupt denkbar ist. Viele Westeuropäer scheitern daran: Freiheit und Russland bleiben in ihren Augen unvereinbar. Aber es gibt auch andere. Wer meint, er oder sie könnte dazugehören, wird hier fündig.

Fasbender hat ein Buch mit Herz und Verstand geschrieben, das an Aktualität seit 2014 nur gewonnen hat. Dazu in einer besonders schönen Sprache: ein Buch gegen den Strom, das eine fremde und doch wieder nahe Welt erschließt.

362 S., Manuscriptum Verlag, 4. Auflage 2015

©2020 Thomas Fasbender

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